Der Gorilla ließ niemanden in seine nähe, bis die Tierwärter sahen, was er in den Händen hielt

Tim am 19. May 2021
Was war mit ihm los?
Gorillas sind sehr eigene Geschöpfe. Die Mitarbeiter kannten ihn und seine Launen schon eine ganze Weile. Bobo der Gorilla war ihnen nicht fremd, sondern sie hatten sich an ihn gewöhnt und wussten, wie sie mit ihm umzugehen hatten. Aber dieses Mal war alles anders. Er verhielt sich seltsam und versteckte sich vor ihnen. Das war neu. Jetzt waren sie alarmiert. Das war ein Verhalten, dass Bobo noch nie vorher gezeigt hatte. Sie mussten herausfinden, was die Ursache dafür war.

Die Mitarbeiter der Primatenauffangstation in Kamerun kannten Bobo schon seit seiner frühesten Kindheit. Die Mutter war von Wilderern gefangen worden, da war Bobo gerade mal 2 Jahre alt. Als er in der Auffangstation ankam, war er nicht gerade der lustigste und lebhafteste Gorilla, sondern eigen und sehr scheu. Aber er wuchs unter der liebevollen Betreuung gut heran und wurde schließlich sogar der dominante Gorilla in seinem Gebiet. Er war ein Anführer und würde sich wehren können, sollten sich ihm Wilderer nähern. Da waren sich alle einig.
Ein liebes Tier
Obwohl Bobo wirklich ein gewaltiger Gorilla ist, mit ca. 125 Kg Gewicht, war er ein liebes Tier. Er war niemals aggressiv gegenüber seinen Artgenossen und jeder schien ihn zu mögen. Natürlich gab es auch völlig normale Kämpfe in der Gruppe, denn es galt, den Platz am Thron, den er wirklich innehatte, zu verteidigen. Mitunter lehnte sich ein anderer Gorilla gegen ihn auf, aber Bobo schaffte es schnell, klarzumachen, wer der Boss war. Ganz ohne gefährliche Szenen.

Die Mitarbeiterin Elissa, die sich von Beginn an um Bobo gekümmert hatte, erzählte später, dass sich jüngere Gorillas, namens Kibu und Nkamum sehr wohl mal mit Bobo um seine Position gestritten hatten. Allerdings gaben sie schnell auf, weil Bobo sehr schnell klar machte, dass das sein Platz ist, an der Spitze der Truppe. Die anderen haben es seither niemals mehr versucht, seinen Platz zu fordern. Allerdings begann Bobo plötzlich, sich seltsam zu benehmen. Elissa wollte herausfinden, was mit dem Tier nur los war?
Ein seltsames Verhalten
Die Heimat von Bobo ist ein Wildtiergehege, dass von einer Wohltätigkeitsorganisation in England betrieben wird. Es handelt sich um „Ape Action Africa“ und bietet ungefähr 300 Gorillas und anderen Affenarten eine sichere und gute Heimat. Bisher war Bobo nie auffällig geworden, aber jetzt schien irgendwas im Busch zu sein, im wahrsten Sinne, weil Bobo sogar andere Artgenossen in Gefahr brachte. Die Mitarbeiter überlegten, was los sein könnte und sie beschlossen, Bobo nicht mehr aus den Augen zu lassen, bis sie herausgefunden hatten, was los war.

Sein ganzes Verhalten war völlig anders als sonst. Normalerweise lief er stolz durchs Gehege und zeigte sich jedem. Aber jetzt versteckte er sich bei jeder Gelegenheit und legte sich ins Gras, sobald ein Mitarbeiter sich ihm nähern wollte. Damit dieser ihn nicht entdecken sollte. Er versteckte sich aber auch vor den anderen Tieren. Ein wirklich beunruhigendes Verhalten, was neu war. Aber was steckte dahinter?
Hatte er noch ein Trauma?
Praktisch jeder, der in einer Auffangstation für Tiere arbeitet, weiß, dass die Tiere irgendwie traumatisiert wurden. Entweder waren sie wie Bobo von ihren Eltern getrennt worden oder sie hatten Gewalt erfahren. Aber Bobo war schon so lange bei ihnen, dass es ihnen seltsam vorkam, dass er jetzt erst an einem Trauma leiden könnte. Es musste etwas anderes passiert sein, was Bobo so mitnahm. Sie mussten jetzt nur herausfinden, was die Ursache war.

Die „Ape Action Africa“ hatte dieses Schutzgebiet bewusst dort gegründet, weil dort immer wieder Wilderer die seltenen Tiere angriffen und verschleppten. Der Handel mit diesen Tieren und auch mit ihrem Fleisch war sehr lukrativ. Kamerun brauchte ein Schutzgebiet und die englische Organisation hatte es ermöglicht. Die Mitarbeiter kümmerten sich liebevoll um ihre Schützlinge, so eben auch um Bobo. Daher bemerkten sie die Veränderung des Gorillas schnell.
Das Tier im Auge behalten
Die Mitarbeiter dort sind gut geschult und wissen auch, wie man mit traumatisierten Tieren umgeht. Sie hegten und pflegten die Tiere, weit über das Füttern hinaus. Viele waren richtig befreundet mit den Tieren. So war es auch Elissa wichtig, zu erfahren, was mit ihrem Schützling Bobo, den sie ja seit ihrer Ankunft im Gehege kannte, nur los war. Sie musste herausfinden, warum er sich so seltsam verhielt. Irgendwas verbarg er. Er hatte etwas in den Händen, was er vor allen verbergen wollte.

Sie beobachtete also ihren Schützling eine Weile und als er sich von der Wiese entfernte, wo er zuvor versteckt im Gras lag, beschloss sie, zu der Stelle zu gehen. Um nachzusehen, ob er dort irgendwas abgelegt hat. Sie suchte also die Wiese ab, konnte aber nichts entdecken. Also was genau verbarg das Tier? Es musste ihm wichtig sein. Denn was immer er vor ihnen versteckte, er trug es stets bei sich und ließ es so nicht aus den Augen.
Was verbarg er nur?
Bisher war Bobo den Mitarbeitern und vor allem auch Elissa gegenüber stets freundlich gewesen und kam auch freudig auf sie zu. Jetzt war das anders. Er ging, sobald er jemanden sah, sofort weg. Er wollte irgend etwas beschützen, was er in seinen Händen hielt und vor allen verbarg. Sie mussten herausfinden was es war, also beobachteten sie ihn eine Weile weiter und jetzt erkannten sie, was er verbarg. Es war kein Etwas, es war ein Lebewesen!

Bobo bemerkte, dass er beobachtet wurde und ist sehr erschrocken darüber. Er versuchte, sich hinter höherem Gestrüpp zu verstecken, was ihm auch erst mal gelang. Elissa, die ihn genau beobachtete, konnte nicht genau erkennen, was es für ein Lebewesen war, was er in seinen Händen hielt. Aber sie wollte ihm helfen, dafür musste sie sich aber einen guten Trick einfallen lassen, damit Bobo sie an sich heranließ.
Ein neuer Mitbewohner
Hatten sie ein Tier übersehen? Sie kannten doch alle? Denn das kleine Geschöpf, um das sich Bobo so liebevoll kümmerte und das von ihm gestreichelt und liebkost wurde, fehlte nirgends. Zumindest war ihnen nichts aufgefallen. Aber was für ein Tier war es denn? Elissa beobachtete die Szenerie weiter durch ihr Fernglas und erkannte, dass es tatsächlich auch ein Gorilla war, um den sich Bob hier so lieb sorgte.

Aber woher stammte er nur? Also der neue Affe? Sie alle kannten ihre Tiere, auch wenn es viele waren. Sie wussten, welches Tier Nachwuchs hatte und wo welcher erwartet wurde. Aber wenn der kleine Neuankömmling nicht aus ihrem Gehege stammte, woher dann? Woher hatte Bobo einen kleinen Gorilla? Sie waren jetzt alle total ratlos. War ihnen etwas entgangen?
Ein Neuankömmling
Sie waren sich jetzt sicher, nachdem sie das Kleine eine Weile beobachtet hatten, dass es sich hier um einen Galago handelte. Also war es kein Tier aus ihrem Gehege, sondern aus dem umliegenden Schutzgebiet. Wie auch immer er in das Gehege gelangte, es gab jemanden, der sich seiner liebevoll annahm und das war eben Bobo. Es war verwunderlich, dass ein Gorilla sich um einen Galago kümmerte. Noch ungewöhnlicher, weil Bobo ein Männchen war und diese sich erst recht nicht um fremde Kinder kümmerten. Normalerweise.

Elissa berichtete später, dass das Kleine überhaupt keine Angst vor Bobo hatte. Im Gegenteil. Es ließ sich von ihm tragen und hüpfte um ihn herum, als wäre es nie anders gewesen. Es schien, als hätte es sich bereits an den großen Gorilla gewöhnt und das es die Zuwendung des großen Tieres sehr genoss. Aber was sollten sie jetzt machen? Das war wirklich eine Situation, die sie alle noch nicht erlebt hatten bisher.
Eigentlich sind sie Nacht aktiv
Was Elissa am meisten wunderte, wie die beiden eigentlich zueinander gefunden hatten. Denn Gorillas haben ähnlich wie Menschen eher die Tendenz, tagsüber aktiv zu sein und Nachts zu schlafen. Bei Galagos ist es genau anders herum. Diese Tiere sind Nachts aktiv und schlafen am Tag. Wie also war Bobo an den Kleinen gekommen? Und warum hatte er beschlossen, sich darum zu kümmern? Fragen über Fragen, es war eine echt besondere Situation.

Meistens kümmern sich gerettete Tiere nicht mehr um andere. Also nicht um die, die außerhalb ihrer Welt leben. Die Wilden kümmern sich umeinander, die Geretteten ebenso. Mischen lässt sich das normalerweise nicht. Aber irgendwie hatten diese beiden sich gefunden. Der im Gehege lebende traf den aus dem Dschungel. Und das war eine schwierige Situation, denn es lebten ja auch noch andere Tiere im Gehege. Wie würden diese auf den Neuankömmling reagieren? Jetzt war klar, wovor Bobo sich gefürchtet hatte. Vor der Reaktion der anderen Tiere.
Nicht für immer
Elissa beobachtete noch eine Weile, wie das Kleine Galago sich von Bobo umsorgen ließ, wie sie miteinander spielten und wie Bob mit ihm umging. Jetzt langsam ging Bobo zurück ins Gehege, also raus aus dem schützenden Wald und hielt das Baby wieder innig an seine Brust, damit kein anderes Tier es sehen würde. Aber die anderen Tiere waren jetzt auch neugierig geworden und beobachteten Bobo ganz genau.

Bobo bemerkte wohl, dass die anderen jetzt bemerkt haben, dass etwas anders war. Er hielt sie auf Abstand und machte wohl allen irgendwie klar, dass sie wegbleiben sollten. Elissa beobachtete jetzt, dass Bobo seinen neuen Freund gar nicht im Gehege behalten wollte. Offensichtlich kümmerte er sich nur tagsüber um das Kleine. Jetzt sorgte er dafür, dass der Kleine wieder heil zurück in seinen Dschungel kam, indem er ihn aufnahm und auf einen hoch gelegenen Ast brachte. Elissa filmte alles. Sie war begeistert, wie Bobo sich verhalten hatte, dass er sich so lieb um andere Lebewesen kümmerte.
Teilen
Die Mitarbeiter des Geheges hatten jede Minute dieser Aktion von Bobo mit der Kamera festgehalten und posteten es bei Facebook mit den Worten: „Unser Silberrücken Gorilla Bobo hat diese Woche überraschend einen neuen Freund gefunden – ein wildes Buschbaby!“ Sie erzählten weiter, dass sie ihn beobachtet hatten, wie er mit dem Kleinen umging und es liebevoll im Arm hielt. Sie waren erstaunt, wie sanft und zärtlich er mit dem fremden Wesen umgegangen war.

Dieses Video gefiel den Nutzern natürlich und so erhielt es mehr als 2000 Kommentare und das Video wurde weit über eine Million mal bei Facebook angesehen. Die Menschen waren berührt über die Zärtlichkeit des Gorillas und sie konnten nicht umhin zu bemerken, dass sich viele Menschen vom Verhalten des Tieres einiges abschauen konnten. Das ist ja auch wahr oder? So ein starkes Tier, welches dominant ist, kann auch ganz sanft und lieb sein.
Mitgefühl
Ein Nutzer schrieb: „Diese Tiere haben eine sehr liebe und einfühlsame Natur. Die Menschen können davon lernen“. Ein anderer schrieb: „Das ist genau der Grund, warum ich Gorillas so liebe. Sie sind erstaunliche Tiere, sanfte Riesen und äußerst intelligent.“ Genau deshalb wäre es so wichtig, diese Tierart zu schützen, wo es nur geht. Auch damit haben die User natürlich total recht.

Denn diese freundlichen Wesen sind im gesamten Kongo bedroht. Durch die Abholzung des Regenwaldes und durch Wilderer sind sie tatsächlich vom Aussterben bedroht. Es gibt übrigens zwei Sorten von Gorillas. Den Westgorilla und den Ostgorilla. Diese sind wiederum eingeteilt, in Tieflandgorilla, Berggorilla und Kreuzflussgorilla. Man sollte dafür sorgen, dass diese herrlichen Tiere ihren Lebensraum nicht verlieren. Zum Glück gibt es Organisationen wie die Ape Africa, die sich darum kümmern.
Sehr schlaue Tiere
Wusstet ihr, dass Gorillas sehr intelligent sind? Schimpansen mögen schlauer erscheinen, weil sie sich zum Beispiel auch richtiges Werkzeug basteln, aber Gorillas wissen sich zu helfen. Sie nutzen beispielsweise Äste, um die Tiefe eines Gewässers zu messen, ehe sie es durchqueren. Oder sie bauen Leitern, um es ihren Kindern beim Klettern leicht zu machen. Natürlich sind diese schlicht, aber sie wissen sich zu helfen. Auch ihre Kommunikation ist bemerkenswert. Sie verwenden über 25 verschiedene Geräusche, um miteinander zu kommunizieren.

Und so fern sind Gorillas uns gar nicht. Ihre DNA ist mit unserer zu 98,3% identisch. Neben den Schimpansen gehören sie also zu unseren engsten natürlichen Verwandten. Allerdings sind sie auch aktuell die am meisten bedrohten Tiere auf der Welt. Viele Organisationen versuchen, daran was zu ändern und so viele Schutzgebiete wie nur möglich zu errichten. Dafür sind sie aber auf Spenden und Hilfe der Menschheit angewiesen.
Klein angefangen
Die Ape Action Africa wurde im Jahr 1996 gegründet und hieß damals noch CWAF, eine Abkürzung für Cameroon Wildlife Aid Fund. Ihr Ziel war es, die Bedingungen für die Affen im Kongo zu verbessern. Es wurden Schutzgebiete errichtet und Mitarbeiter angestellt, die sich um die Tiere kümmern sollten. Mit der Zeit legte sich der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Pflege von Waisenkindern. Also Gorillas, die ihre Eltern an Wilderer oder durch Unfälle verloren hatten.

Mehr als 300 Affen werden von der Ape Action Africa betreut und sie sind somit eines der größten Projekte dieser Art in Afrika. Sie helfen nicht nur kleinen Affen, die ihre Eltern verloren haben, sondern versuchen natürlich allen Affen zu helfen, ihnen eine neue Heimat zu bieten, wenn sie ihre alte verloren haben. Außer Bobo gibt es im Reservat noch Kibu und Nkamum und noch 3 Gorilla Weibchen, die Jasmine, Geri und Avishag heißen. Zwei Junge leben auch noch dort. Sie heißen Eto und Fils. Sie lieben ihr Zuhause und fühlen sich wohl und sind beschützt.
Bewusstsein schaffen
Solche Geschichten wie die von Bobo helfen natürlich, ein Bewusstsein in den Köpfen der Menschen zu schaffen. Wie wichtig es ist, bedrohte Tiere zu beschützen. Wie wichtig es ist, ihnen ein Zuhause zu geben, in dem sie sicher und beschützt leben können. Die größte Bedrohung für die Gorillas und auch für Schimpansen und Galagos sind die Wilderer und die Abholzung ihres natürlichen Lebensraumes. Kamerun besitzt mehr als 20 Millionen Hektar Regenwald, der aber verschwindet, wenn der Abbau nicht gestoppt wird. Noch ist es nicht soweit. Noch.

Sir David Attenborough, der das Gebiet der Gorillas im Jahr 1979 das erste Mal besuchte, sagte, dass es ermutigend wäre, zu sehen, wie sich die Bemühungen steigern, die wichtigen Lebensräume zu sichern. Daran sind Organisationen, Gruppen und auch Regierungen beteiligt. Er ermahnte schon damals, die Bedrohungen für die Tierwelt ernst zu nehmen und sicher zu stellen, dass sich ihr natürlicher Lebensraum nicht verringert, sondern dass dieser erhalten wird. So dass noch viele Generationen von Gorillas und anderen bedrohten Tieren glücklich leben können. Sie haben das gleiche Recht wie wir Menschen. Dem können wir nur zustimmen!