Nach 40 Jahren Ehe erfährt die Frau durch das FBI, wer ihr Mann wirklich ist

Laura am 01. December 2020
Stell dir einmal vor, du frühstückst gemütlich in deiner Küche, mit dir am Tisch sitzt dein Mann. Und plötzlich stürmt die Sondereinheit dein Haus, um deinen Mann zu verhaften. Das klingt unglaublich, oder? Genau das ist aber Cheryl Love im Jahr 2015 passiert. Das FBI stürmte ihr Haus und teilte ihr mit, dass ihr Mann, mit dem sie seit 40 Jahren verheiratet war, jemand ganz anderes sei. Er trug also einen falschen Namen und verbarg seit Jahrzehnten ein Geheimnis vor ihr, was an diesem unseligen Tag dann ans Licht kam.

Cheryl kannte ihren Mann seit so vielen Jahren. Sie kannte ihn als liebevollen, großherzigen und gutmütigen Mann, der mit ihr in die Kirche ging und Kinder in seiner Freizeit trainierte. Allerdings fiel all das an diesem Tag wie ein Kartenhaus in sich zusammen, als die Beamten ihr Haus gestürmt hatten. Die Beamten holten ihren Mann nicht ohne Grund ab.
Cheryl war sich sicher, dass ihr Mann, also Bobby, nicht einmal vorbestraft war. Sie heirateten im Jahr 1984, nicht lange, nachdem sie sich in einem Krankenhaus kennengelernt hatten. Bobby hatte nie viel über seine Vergangenheit erzählt. Das war ihr auch nicht wichtig. Viel wichtiger war ihr, in Bobby einen guten Mann und einen sehr guten Vater für ihre 4 gemeinsamen Kinder zu haben. Allerdings war es schon so, dass ihr in den langen Jahren ihrer Ehe einige merkwürdige Dinge an ihm aufgefallen waren.

Er verhielt sich eigentlich immer völlig normal. Allerdings wurde er nervös, wenn Fotografen in seiner Nähe waren und er ließ sich überhaupt nur sehr ungern fotografieren. Er wollte einfach nicht auf Fotos sein, das gefalle ihm nicht. So war seine Begründung. Es gab aber noch mehr Dinge, die ihr an ihrem Mann aufgefallen waren.
Cheryl fielen jetzt nach und nach Dinge auf, als ihr Mann abgeführt worden war. Sie erinnerte sich, dass Bobby immer das Gefühl hatte, als würde ihn jemand beobachten. Er drehte sich ständig um, also wenn ihnen jemand folgen würde, wenn sie unterwegs waren. Cheryl lachte oft darüber und meinte zu Bobby, dass er so wichtig nun auch nicht wäre, dass sich die ganze Welt für ihn interessieren könnte. Aber wirklich verdächtig kam das Cheryl nie vor.

Was Cheryl über die Jahre viel mehr störte, war die mangelnde Fähigkeit von Bobby, sich ihr gegenüber zu öffnen und von seiner Vergangenheit zu erzählen. Er ging auch jedem Streit aus dem Weg. Er machte dann einfach dicht, wie man so sagt. Aber es gab auch eine Menge Dinge, die Cheryl an ihrem Bobby bewunderte.
Sie hatte zwar immer ihr Problem damit, dass Bobby kaum Emotionen zeigen konnte, allerdings musste sie zugeben, dass sich ihr Mann rührend um seine Familie kümmerte. Er war der perfekte Versorger und machte teilweise 3 Jobs, damit es seiner Familie, also Cheryl und den gemeinsamen 4 Kinder an nichts fehlte. Bobby liebte seine Familie innig, ohne viel Gefühl dabei zu zeigen.

Auch war er ein sehr aufmerksamer Vater. Er lobte seine Kinder bei jeder guten Gelegenheit und ermunterte sie, etwas aus ihrem Leben zu machen. Er war auch ein gutes Vorbild zu Hause, indem er Cheryl im Haushalt unterstützte. Für keine Arbeit war er sich zu schade. Putzen, kochen, bei allem half er und war so ein gutes Vorbild für seine Söhne. Aber was hatte er angestellt, dass den Besuch des FBI rechtfertigte?
Einige Wochen vor der Verhaftung Bobbys stand Cheryl kurz vor dem Zusammenbruch. Sie glaubte, es nicht mehr lange ertragen zu können, dass ihr Mann so verschlossen war. Seine ständigen Ausweichmanöver und mangelnde Kommunikationsfähigkeit nervten sie zunehmend. Sie war so am Ende, dass sie praktisch jeden Tag zur Kirche ging, um für ihren Mann zu beten.

Sie bat Gott darum, dass er dafür sorgen solle, dass Bobby sein Herz öffnet. Damit sie endlich normal miteinander umgehen können. Denn über die Jahre war Bobby nicht offener geworden, sondern eher noch verschlossener. Sie wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ihre Gebete, wenn auch auf seltsame Art, scheinbar erhört werden.
Es kam also, dass Bobby sich ihr gegenüber öffnen musste. Allein seine Verhaftung führte natürlich dazu. Hätten die Behörden ihn nicht aufgespürt, hätte sie wohl nie mehr Antworten bekommen. Allerdings glaubte sie den Beamten zunächst nicht, also sie Bobby abholten. Sie war sich sicher, dass eine Verwechslung vorliegen würde. Die Beamten versicherten ihr aber, dass alles seine Richtigkeit habe. Ihr Mann war nicht Bobby Love, sondern in Wirklichkeit hieß er Walter Miller. Aber das war nur die Spitze des Eisbergs.

Bobby. Bzw. Walter, war jetzt praktisch gezwungen, sich seiner Frau zu erklären. Er beichtete ihr, dass er ein entflohener Sträfling aus North Carolina war. Er war in den 1970er Jahren aus dem Gefängnis geflohen und hatte sich ein neues Leben aufgebaut. Zu dem ja auch Cheryl dann gehörte. Cheryl fasste das Ganze erst mal gar nicht gut auf. Sie sagte, dass in diesem Moment eine Welt für sie zusammengebrochen war.
Jetzt war das Schweigen vorbei, Bobby, alias Walter, musste seine kriminelle Vergangenheit seiner Frau gegenüber schonungslos darlegen. Selbst die Polizei war beeindruckt, dass er über 30 Jahre nicht gefasst wurde. Sie sagten zu ihm, dass er zugegebenermaßen einen sehr guten Lauf gehabt habe. Allerdings war dieser Lauf jetzt zu Ende. Sie nahmen Walter mit auf die Wache und achteten nur darauf, dass die Kinder davon nicht allzu viel mitbekamen. Cheryl war am Boden zerstört.

Sie war aber auch entschlossen, ihrem Mann zu helfen. Ihm drohte die Überlieferung nach North Carolina, also in das Gefängnis, aus dem er damals ausgebrochen war. Das wollte sie verhindern. Bobby, Walter, wurde übrigens vorgeworfen, ein Bankräuber zu sein. Er war damals zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Cheryl beschloss, um seine Freiheit zu kämpfen. Ob es ihr gelungen war?
Obwohl sie viele wichtige Leute anschrieb, wurde Bobby nach North Carolina zurückgeschickt. In das Gefängnis, in dem er damals ein Jahr seiner Haft verbracht hatte, ehe er geflohen war. Cheryl hielt zu ihrem Mann und besuchte ihn, wann immer es möglich war. Bobby entschuldigte sich bei ihr für den Kummer, den er ihr bereitet hatte. Cheryl reagierte anders, als er erwartet hatte.

Als Cheryl Bobby wieder im Gefängnis besuchte, fragte sie ihn, wie er jetzt eigentlich heiße, wie also ihre Namen wären? Er meinte nur: „Wir sind die Lieben“. Also blieb es bei Bobby Love und Cheryl Love. Glücklicherweise hatten Cheryls Bemühungen Erfolg, sie wollte ja beweisen, dass ihr Mann sich verändert hatte und er musste nur 1 Jahr noch absitzen. Er kehrte nach Brooklyn zurück und änderte seinen Namen legal in „Bobby Love“ um.
Die Geschichte ist aber noch nicht zu Ende. Lies also weiter.
Bobby und Cheryls Geschichte wurden einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als sie in einem äußerst populären Online Blog „Humans of New York“, erzählt wurde. Die Serie wurde 2010 von Brandon Stanton eröffnet. Ziel des Blogs ist es, die Lebensgeschichten von New Yorker Bürgern zu erzählen. Also warum war die Geschichte von Bobby und Cheryl so spektakulär?

Walter Miller, wie er ja ursprünglich hieß, wurde in den 60er Jahren in North Carolina geboren. Er wuchs in armen Verhältnissen auf, seine Mutter war alleinerziehend. Er hatte 8 Geschwister, also konnte man sich vorstellen, dass nicht viel vorhanden war. Seine Mutter war selten zuhause, sie kümmerte sich um den Unterhalt für ihre große Familie. Es war fast klar, dass unter solchen Umständen mindestens ein Kind kriminell werden musste.
Als Jugendlicher, ohne Aufsicht, geriet Walter schnell in Schwierigkeiten. Er begann mit kleineren Verstößen wie Taschendiebstahl und klaute Schecks aus fremden Briefkästen. Verhaftet wurde er das erste Mal, als er 14 Jahre alt war. Diese Nacht sollte sein Leben für immer verändern.

Der junge Walter wurde bei einem Konzert von Sam Cooke wegen ordnungswidrigen Verhaltens verhaftet. Er hatte nichts angestellt, wie er selbst sagte. Allerdings ab diesem Moment ging es für ihn bergab. Obwohl er nur eine Bewährungsstrafe erhielt, war er jetzt innerlich richtig sauer und beschloss, jetzt erst recht mehr anzustellen. Er klaute, was ihm in die Finger kam und brach nachts sogar in seine Schule ein, um dort eigentlich wertlose Dinge zu entwenden. Eine richtig kriminelle Karriere begann. Seine Mutter musste hilflos mit ansehen, wie ihr Kind langsam abrutschte.

Walter wurde beim Diebstahl einer Bandausrüstung in seiner Schule erwischt und landete in einer Jugendstrafanstalt. Diese „Schule“, wie man sie nannte, war alles andere als gut für ihn. Walter wurde ständig gedemütigt und war gewalttätigen Angriffen seiner Mithäftlinge ausgesetzt. Er trägt noch heute Narben aus dieser furchtbaren Zeit. Er wusste, er musste etwas unternehmen, wenn er diesen Horror überleben wollte.

Das Einzige, was Walter am Leben hielt in dieser schweren Zeit, war das Pfeifen eines Zuges in der Nähe der „Schule“. Dieses Pfeifen nahm er als Anlass, sich vorzustellen, wie dieser Zug ihn eines Tages aus dieser Hölle befreien würde. Er sollte das schaffen! Als ein Wärter mal nicht aufpasste, machte sich Walter auf und davon und ging direkt zum Bahnhof. Der Zug sollte ihn jetzt endlich da raus holen, so sein Wunsch.


Walter floh also aus der Schule, die ja keine war und fuhr mit seinem Zug nach Washington. Dort traf er sich mit seinem Bruder und einigen gefährlichen Zeitgenossen. Er nahm nach kurzer Zeit seine kriminelle Karriere wieder auf und beteiligte sich an allen möglichen Raub Streifzügen.

Zunächst ging alles gut, sie wurden nie erwischt. Allerdings wurden die Kontakte immer schlechter und eines Tages wurde er dazu überredet, sich jetzt auch an Banküberfällen zu beteiligen. Die Gang fuhr wieder nach North Carolina, dort waren die Banken nicht so gesichert wie in Washington und überfielen einige erfolgreich. Das konnte nicht ewig gut gehen. Eines Tages war diese Karriere dann auch wieder zu Ende. Ihm drohte wieder der so verhasste Knast.
Denn Walter und seine Crew waren sich mit der Zeit zu sicher geworden. Sie überfielen mit einer unglaublichen Ruhe eine Bank und bekamen nicht mit, dass der Direktor längst den geheimen Knopf gedrückt hatte, der mit stillem Alarm die Polizei alarmiert hatte. Also wurde die ganze Gang an Ort und Stelle verhaftet. Für diesen Raub wurde er zu 30 Jahren Haft verurteilt und in ein Hochsicherheitsgefängnis überstellt. Eine Flucht, wie damals, schien jetzt völlig unmöglich zu sein!

In diesem Gefängnis ging es ihm sehr schlecht. Er wurde bei jeder Gelegenheit von den Häftlingen, aber auch von den Wärtern schikaniert. Er fühlte sich elend und betete, dass er da irgendwie wieder rauskommen würde. Ansonsten musste er sich selbst etwas einfallen lassen. Und das machte er auch. Er war wild entschlossen, keine 30 Jahre hier zu verbleiben.


Er wusste, seine einzige Chance, dieser Hölle zu entgehen, war wieder die Flucht. Würde ihm das in diesem Hochsicherheitsgefängnis gelingen? Dieses war ja doch um einiges besser gesichert, als die „Schule“ zuvor. Aber er hatte Glück. Er beobachtete eine Weile einfach alles, was ihm dienlich sein konnte. Er bemerkte, dass es eine Wache gab, die nicht so aufmerksam war. Also besorgte er sich Zivilkleidung, was einfach war, weil er im Gefängnisradiosender arbeitete und versteckte sie unter seiner Gefängniskleidung. Er musste jetzt nur noch auf die richtige Gelegenheit warten.

Walter nutzte die erstbeste Gelegenheit für seine Flucht. Eines Tages, die Tore waren offen, der Wächter unaufmerksam, gelang ihm die Flucht! Er rannte, so schnell er nur konnte bis zum Busbahnhof. Dort kaufte er sich eine Fahrkarte nach New York und besorgte sich dort einen neuen Ausweis und neue Papiere. Er machte sich selbst zu Bobby Love und schien endlich frei zu sein!

Mit seinen neuen Papieren fand Bobby schnell eine Stelle im Krankenhaus, dort lernte er dann auch seine geliebte Cheryl kennen. Das Paar heiratete und bekam, wie wir ja wissen, zusammen 4 Kinder. Alles ging gut, bis ihn die Beamten dann doch, nach so vielen Jahren, aufspüren konnte. Er wurde begnadigt, nach einem Jahr Haft, weil Cheryl so für ihn kämpfte. Er hatte sich resozialisiert, das konnte man ja sehen und es gab keinen Grund mehr anzunehmen, dass sich daran noch mal etwas ändern würde. Ohne seine Cheryl, dass weiß Bobby, hätte er das allerdings niemals geschafft.

Nun an Dich die Frage: Hättest Du auch gekämpft so wie Cheryl? Hättest du das jahrzehntelange Schweigen verzeihen können? Denn seine Geschichte ist ja schon skurril. Er hatte schlechte Zeiten, böse Zeiten, hat sich aber zu einem wundervollen Ehemann, Vater und Mitglied der Gesellschaft entwickelt.